Gesellschaft18.09.2026

Jiang Xueqin: eine Formel, drei Prognosen und ein Datum, an dem man ihn prüfen kann

Kemal Duran am Küchentisch unter einer Schreibtischlampe, einen Computerchip zwischen den Fingern, darunter eine Weltkarte, darüber die Zeile Meine Werkzeuge sind keine Software. Sie sind Geografie.
Der Chip, den Jiang auf den Tisch legt, ist derselbe, auf dem ich jeden Tag arbeite. Mit KI erstellt.

Ein Interview hat mich diese Woche knapp zwei Stunden gekostet, und ich habe es freiwillig zu Ende gesehen. Steven Bartlett hatte bei The Diary Of A CEO den Geopolitik-Analysten Jiang Xueqin zu Gast. 108 Minuten, hochgeladen am 14. September 2026, vier Tage später bei 6,6 Millionen Aufrufen. Der Titel verspricht ein zweites 9/11 gegen dein Bankkonto. Was drinsteckt, ist besser als der Titel: eine Formel, drei Karten und drei Prognosen, die man am Kalender prüfen kann.

Ich gebe hier wieder, was er sagt. Ob er recht hat, zeigt sich an Daten, die er selbst nennt.

Die Formel, an der bei ihm alles hängt

Jiang stellt gleich am Anfang eine Gleichung auf: technischer Fortschritt gleich Spezialisierung mal Globalisierung. Mehr Länder, die eine Sache richtig gut können, mal freier Handel zwischen ihnen. Fällt einer der beiden Faktoren, fällt das Produkt.

Ein Krieg, der Staaten zu eigenen Lieferketten zwingt, senkt die Spezialisierung. Nationalismus senkt die Globalisierung. Beides passiere gerade, also sei der Höhepunkt der technischen Entwicklung erreicht. Er nennt das nicht Machtverschiebung. Er nennt es Kollaps, über zwanzig Jahre, und vergleicht es mit dem Bronzezeitkollaps um 1200 vor Christus, als eine Welt aus Kupfer- und Zinnhandel innerhalb von fünfzig Jahren fast jede große Stadt im östlichen Mittelmeer verlor.

Sein Beweisstück liegt auf dem Tisch: ein Halbleiter. Silizium, Gallium und Germanium kommen nach seinen Zahlen zu 60 bis 70, 70 und 90 Prozent aus China. Das Chipdesign kommt aus Kalifornien, die Lithografiemaschinen von ASML aus den Niederlanden, 400 Millionen Dollar pro Stück. Gefertigt wird in Taiwan, eingebaut wieder in China. Und die Abhängigkeit läuft zurück: China braucht Helium zum Kühlen, und rund 90 Prozent des hochreinen Quarzes für die Siliziumproduktion kommen aus einem Ort namens Spruce Pine in North Carolina.

Wer diesen Chip ansieht, sieht keine Scheibe aus Metall und Plastik, sagt er, sondern die Welt, wie sie zusammenläuft. Wer einen Teil davon abklemmt, hält den Rest an.

Wie der Petrodollar gebaut wurde

Der zweite Teil ist Geschichte, in fünf Schritten.

1945 sind die USA die dominante Macht und beliefern das zerstörte Europa und Japan. Sie verleihen Dollar für den Kauf dieser Güter, Rückzahlung in Gold. 1971 löst Nixon den Dollar vom Gold, weil die USA vom Gläubiger zum Schuldner geworden sind. Ab da muss Nachfrage nach dem Dollar erzeugt werden. Saudi-Arabien verkauft Öl nur noch gegen Dollar. China verlangt Ende der Siebziger Dollar für seine Fabrikware. Japan legt Mitte der Achtziger seine Ersparnisse in US-Staatsanleihen an.

Daraus wird ein Kreislauf: Öl aus dem Golf fließt nach Asien, Asien macht daraus Konsumgüter, abgerechnet in Dollar, und die Überschüsse aus China, Japan und den Golfstaaten fließen als Anleihekäufe zurück in die USA. Das Geld finanziert die amerikanische Spezialisierung auf Innovation und auf Finanzplätze wie New York. Jiang nennt diese drei auch die größten Geldgeber der aktuellen KI-Blase.

Getragen wird der Kreislauf von der Seeherrschaft des US-Militärs. Und, das ist sein feinerer Punkt, vom Bild dieser Seeherrschaft. Das System ruhe auf dem Dollar als Reservewährung und auf der Aura der Unbesiegbarkeit. Wirken die USA schlagbar, ist der zweite Träger beschädigt, ohne dass eine Schlacht verloren wurde.

Drei Karten, die er auf den Bildschirm holt

Die erste zeigt Wasserknappheit. Für Jiang ist das die Karte der kommenden Kriege: der Streit um den Colorado River zwischen Colorado, Kalifornien und Arizona, der Nahe Osten, Indien gegen China, Nordostasien. Die zweite zeigt Geburtenraten, am höchsten in Afrika und im Nahen Osten, also dort, wo die Konflikte liegen. Die dritte zeigt Alterung, am schnellsten in Japan, Europa und Nordamerika.

Seine Schlussfolgerung: Die alten Länder brauchen Zuwanderung für die Pflege, und genau das bringt sie in Konflikt mit der eigenen Bevölkerung. Bartlett hält dagegen, der Westen wähle doch gerade rechts und schließe die Grenzen. Jiangs Antwort: Das löse die Alterung nicht. Und Roboter als Ausweg scheitern am selben Lieferkettenbruch, Kupfer aus Chile und Peru, Lithium aus Südamerika, Silizium aus China. Sein Satz dazu, wörtlich: „People are much cheaper and much more expendable than robots."

Warum dieser Krieg für ihn anders ist als der Irak 2003

2003 traf die US-Armee eine unbeliebte Zentralregierung, das ging mit Shock and Awe. Heute stehen vier Gruppen verteilt und koordiniert gegeneinander: die Revolutionsgarden in Iran, die Huthis in Jemen, die Hisbollah im Libanon, die schiitischen Milizen im Irak. Sie sitzen an drei Meerengen, Hormus, Bab al-Mandab und dem Sueskanal.

Und dann kommt der Gedanke, der bei mir hängen geblieben ist. Irans stärkster Zug sei nicht ein großer Schlag, sondern zufällige kleine Angriffe quer durch die Region. Nicht wegen des Schadens. Wegen der Versicherer. Welthandel läuft auf Vertrauen, Vertrauen trägt die Seeversicherung, und wenn kein Versicherer mehr ein Schiff deckt, fährt kein Schiff, ganz ohne Blockade.

Bei seiner eigenen Prognose zu Iran bleibt er dann auffällig vorsichtig. Er kenne die Fraktionen in Teheran nicht. Wörtlich: „My prediction is this will only escalate. How it will escalate, I don't know."

Drei Prognosen, jede mit Datum oder Bedingung

Er hängt sie an den Jahrestag von 9/11 und nennt sie selbst „fun but horrifying".

Erstens, eine Belagerung von New York City, frühestens 2028. Bedingung ist eine dritte Amtszeit Trumps, entweder über einen nationalen Notstand oder über eine Kandidatur als Vizepräsident hinter Don Jr., der nach der Wahl zurücktritt. Danach Steuerverweigerung demokratischer Städte, kein Zugriff für ICE, am Ende Bundeskräfte vor der Stadt. Bartlett und Jiang wetten im Studio 100 Dollar. Jiang sagt: Am 21. Januar 2029 sitzt Trump noch im Weißen Haus.

Zweitens, ein zweites 9/11 gegen die Finanzinfrastruktur statt gegen Gebäude. Seine Logik läuft über die Wirkung. Flugzeuge in Türme würden heute niemanden mehr so treffen wie 2001, das Bild ist verbraucht. Wirksam wäre der Morgen, an dem du deinen Kaffee bezahlen willst, das Konto leer ist und niemand sagen kann, wann das Geld zurückkommt.

Drittens, Lionel Messi wird Präsident von Argentinien. Die Kette dahinter: Argentiniens Nähe zu den USA und Israel unter Milei, Trumps Unterstützung für die argentinische Forderung nach den Falklandinseln, und die Erwartung, dass säkulare Israelis auswandern und Argentinien das Ziel wird. Damit die Bevölkerung das trägt, brauche es Messis Popularität.

Wo für ihn der Anfang liegt

Auf die Frage, was den Verlauf hätte ändern können, geht Jiang zurück ins Jahr 1996 und zum Clean-Break-Memo, einem Strategiepapier für Netanjahu, geschrieben von amerikanischen Strategen um Richard Perle und Douglas Feith, die später im Pentagon am Irakkrieg mitplanten. Drei Säulen, die Bartlett im Studio nachliest: kein Land gegen Frieden, regionale Dominanz statt Zweistaatenlösung, Präventivschläge statt Eindämmung. Die Gegenwelt dazu war 1995 der Washington Consensus, Handel als Friedensmaschine. Die USA hätten Israel zum Frieden mit den arabischen Staaten zwingen müssen, sagt er. Jetzt sei es zu spät: „You can't put the gene back in the bottle."

Sein Rat an den Einzelnen, nach zwei Stunden Lieferketten: an Gott glauben, auf die Familie konzentrieren, die Wahrheit sagen. Keine Demonstrationen, keine Wahlen. Das ist der Teil, der auf diese Seite gehört, und der Grund, warum das Interview hier steht und nicht bei den Insights.

Was ich daraus mitnehme

Die Formel als Prüfwerkzeug. Jeder Rechner, auf dem ich arbeite, jedes Modell, das ich anspreche, läuft auf genau der Kette, die Jiang beschreibt: Design in Kalifornien, Maschinen aus den Niederlanden, Fertigung in Taiwan, Rohstoffe aus China. Ich habe diese Kette noch nie gesehen. Ich benutze sie jeden Tag. Sein Halbleiter auf dem Tisch hat mich daran erinnert, dass meine Werkzeuge keine Software sind, sondern Geografie.

Vertrauen ist Infrastruktur. Der Versicherungsgedanke ist der Teil, den ich nicht kannte. Ein System kippt nicht, wenn etwas kaputtgeht. Es kippt, wenn niemand mehr das nächste Risiko deckt. Das gilt für Schiffe. Es gilt auch für kleinere Systeme.

Prognosen mit Datum sind ein Geschenk. Auf dieser Seite steht, dass ich nichts glaube, sondern teste. Die meisten Leute, die den Untergang ankündigen, nennen kein Datum. Jiang nennt zwei: 2028 und den 21. Januar 2029. Dazu eine Wette über 100 Dollar vor laufender Kamera. Das ist überprüfbar, und genau deshalb steht es hier. Ich nehme den 21. Januar 2029 als Prüfdatum. Bis dahin bleibt es das, was es ist: die Aussage eines Mannes, der mit einem Halbleiter in der Hand eine Weltkarte erklärt.

Quelle

The Man Who Predicted The Iran War: The Next 9/11 Will Target Your Bank Account!, The Diary Of A CEO mit Jiang Xueqin, 1:48:02, hochgeladen am 14. September 2026. Die Kapitelmarken in der Videobeschreibung führen direkt zu den drei Prognosen (49:46, 58:11, 1:09:45) und zum Clean-Break-Memo (1:29:02).

Alle Zahlen in diesem Text stammen aus dem Interview. Ich habe sie nicht unabhängig geprüft, das ist Absicht: erst sammeln, dann prüfen.

Text und Bild sind mit KI erstellt, auf Grundlage des verlinkten Interviews. Das Foto ist ein Stimmungsbild, kein Beleg für ein bestimmtes Ereignis. Zahlen und Zitate stammen aus dem Interview, nicht aus eigener Prüfung.

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